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Presseschau: Das sagen die anderen

Kritiken zu Messner/Vilsmaier-Drama "Nanga Parbat"

28.01.2010 09:46:00
Seit 14. Januar läuft "Nanga Parbat" in den deutschen Kinos. Wir haben uns umgesehen, was Kritiker zu dem Streifen zu sagen haben: Lesen Sie unter anderem, wie die "Herrligkoffer-Stiftung", das Magazin "klettern, "climbing.de", "Spiegel", "Süddeutsche", "Hamburger Morgenpost" und der "Bergsteiger" den Film sehen und wie sich die Bergsteigersendung "Bergauf-Bergab", der "Tagesspiegel", die "Deutsche Presse Agentur" und die "Abendzeitung" zu "Nanga parbat" äußern...
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1952 gründete Dr. Karl Maria Herrligkoffer die "Gesellschaft zur Förderung deutscher Forschung im Ausland". Aus dieser wurde 1954 die Stiftung "Deutsches Institut für Auslandsforschung".

Ziel der Herrligkoffer-Stiftung war es laut Selbstauskunft, "unerforschte und unbestiegene Gebirgsregionen zu erkunden und zu besteigen", sowie "die Ergebnisse der Forschungsarbeiten der Allgemeinheit zugänglich zu machen". Da sich ersteres Ziel kaum mehr erfüllen lässt, hat sich die Stiftung dem zweiten Ziel verschrieben.

Herrligkoffer leitete die Stiftung bis zu seinem Tod im Jahr 1991 als Vorsitzender. Seine Nachfolger wurden Manfred Sturm (Vorsitzender von 1991-2001 und seit 2003) und Reinhold Messner (2001-2003).

In einer Pressemeldung zu "Nanga Parbat" weißt die Stiftung darauf hin:

"(...), dass der Film auf den mit der Materie nicht vertrauten Betrachter wie eine Dokumentation wirkt, die geeignet ist, das Urteil der Öffentlichkeit über die dargestellten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte nachhaltig zu prägen. Die Verantwortung des Filmemachers wiegt besonders schwer, wenn diese Persönlichkeit sich nicht mehr wehren kann, weil sie verstorben ist. Dies gilt auch für Felix Kuen und Peter Scholz, die sich bei ihrem Gipfelerfolg nie zu solch unkameradschaftlichen Äusserungen hinreissen hätten lassen, wie man sie ihnen im Film in den Mund legt.
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Deshalb sind viele seiner ehemaligen Kameraden zutiefst enttäuscht, dass Karl Herrligkoffer in Vilsmaiers Nanga Parbat Film als Zerrbild dargestellt wurde, das einzelne Charakterzüge einer komplexen Persönlichkeit überhöht und verabsolutiert.

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Reinhold Messner antwortet: Weshalb Abstieg ueber Diamir-Seite?
Herrligkoffer war bestimmt kein einfacher Mensch, aber er hatte wenig gemein mit dem im Film gezeigten Autokraten. Die allermeisten Teilnehmer an seinen Expeditionen sahen in Herrligkoffer keinen tyrannischen Unmenschen, sondern schätzten ihn als fairen Kameraden, der zahlreichen jungen Menschen - über die Grenzen Deutschlands hinaus - die Möglichkeit bot, ihr Können an den großen Bergen der Welt zu zeigen. Auch Reinhold Messner erhielt und nutzte diese Chance.

Dass es zwischen den beiden zu erheblichen Auseinandersetzungen kam, ist bekannt. Umso mehr erstaunt es, dass sich Joseph Vilsmaier bei seiner Portraitierung Karl Herrligkoffers so weitgehend die Sichtweise Reinhold Messners zueigen gemacht hat.

Damit verfälscht der Regisseur nicht nur die historische Realität. Mit seiner Veridealisierung der Brüder Messner und der Reduktion ihres Expeditionsleiters am Nanga Parbat auf den eindimensionalen Hollywoodschurken vergab Vilsmaier auch die Chance, die Widersprüchlichkeit menschlicher Motivationen auszuleuchten, deren Darstellung seinen Nanga-Parbat-Film auf jenes künstlerische Niveau gehoben hätte, das wir von seinen anderen Werken gewohnt sind, wie "Schlafes Bruder", "Herbstmilch" oder "Rama dama"."
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Auch Martin Joisten, Macher von climbing.de, nimmt in seiner Kritik kein Blatt vor den Mund:

"Man sollte nicht meinen, dass sich Joseph Vilsmaier (...) zu solch einer Schmierenkomödie herablassen kann. Den älteren Hauptdarstellern kauft man keinen Dialog ab, sie spielen, als würden sie den Text unvorbereitet vom Teleprompter ablesen und wären daher nicht fähig die damit verbundenen Emotionen zu transportieren. So schafft es Florian Stetter als Darsteller von Reinhold Messner die komplette Länge des Films über mit nur einem Gesichtsausdruck seinem Team und dessen Leiter gegenüberzutreten - spöttisch, abschätzig, besserwisserisch.

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Nanga Parbat: Making of - Eiserne Bedingungen
Leider agiert ausgerechnet Karl Markovics als Expeditionsleiter Dr. Karl Maria Herrligkoffer am besten. Leider, da Herrligkoffer sicherlich als Zerrbild seiner wahren Persönlichkeit dargestellt wird, ohne ihn persönlich gekannt zu haben. Der Expeditionsleiter wird gezeigt als armes, kleines Würstchen, das sich stets in den Vordergrund spielen möchte, sich nicht durchsetzen kann, ein ums andere Mal Messner um Hilfe bittet oder von diesem bei den Entscheidungen übergangen wird und von seinem Sprachgebahren anscheinend im Zweiten Weltkrieg als Texter und Sprecher der Wochenschauberichte stramm deutsch von der Front berichtet hat.
Zur Diskussion um die Tragödie am Nanga Parbat in der alpin-Community
Reinhold hingegen glänzt ein ums andere mal ohne Makel. Reinhold weiß wo es lang geht, Reinhold rettet die Expedition, Reinhold kennt das Wetter besser, Reinhold hat den einzig wahren Plan für den Aufstieg, Reinhold wird es allen zeigen, Reinhold hier, Reinhold da, Reinhold über alles - der Über-Reinhold eben.

Zudem gibt es eine Szene, die sicherlich noch für ausreichend Zündstoff sorgen wird: Nachdem die Messners bereits auf dem Abstieg über die Diamirseite waren, gelangten Felix Kuen und Peter Scholz auf den Gipfel. Dort finden Sie einen Handschuh, konstatieren "Die Messners sind tot", fallen sich vor Freude in die Arme und rufen "Wir sind Gipfelsieger." So etwas macht dann schon sprachlos und auch wütend, denn wer will sagen, was sich dort oben wirklich abgespielt hat, da beide schon lange tot sind. Zudem ist ein solch asoziales (neudeutsch für "unkameradschaftliches") Verhalten wohl durch nichts belegt.

Was ist denn nun gut an diesem Film? Die Landschaftsaufnahmen! Die kann man sich wirklich mal anschauen, aber das trägt nun mal leider keine Handlung, wenn es sich um einen Spielfilm oder vielmehr um ein Bergsteiger-Drama handeln soll."

Die Kollegen von "klettern.de" urteilen

"Der neue Film des Erfolgsregisseurs Joseph Vilsmaier über die Erstbesteigung der 4500 Meter hohen Rupalwand am Nanga Parbat (8125 m) im Jahr 1970 ist schlicht schlecht: die Dramaturgie bescheiden, die Dialoge flach bis armselig, dito die Leistung der meisten Schauspieler.

Nein, mit "Nanga Parbat" hat Joseph Vilsmaier dem Genre Bergfilm sicher keinen Gefallen getan. Und angesichts des dokumentarischen Charakters, den der Film suggeriert, verwundert es nicht, dass sich alle anderen Expeditionsteilnehmer respektive ihre Kinder gegen die verzerrte Darstellung der Fakten und Charaktere wehren. "

Im "Spiegel" 2/10" liest man in der Rubrik "Kino in Kürze":

"Nanga Parbat will neue Höhen des Bergfilms erklimmen, hat dafür aber weder den erzählerischen Atem noch die visuelle Kraft. Regisseur Joseph Vilsmaier scheitert beim Versuch, die Besteigung des Himalaya-Gipfels durch Reinhold und Günther Messner im Jahr 1970 zur Tragödie im Eis aufzubauen.

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Premiere von "Nanga Parbat": Vorstellung des Films in München
Nervös springt er zwischen Berg und Tal hin und her, nimmt der Expedition mit einer verschachtelten Erzählweise die Wucht und kombiniert naiv elegische Helikopterflüge mit Nahaufnahmen, die sichtbar im Kühlhaus entstanden sind. Er schickt die von Florian Stetter und Andreas Tobias gespielten Helden auf das Dach der Welt - und schleppt sich ihnen mit betulicher Mittelgebirgsmentalität hinterher."


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Susan Vahabzadeh äußert ihre Kritik in der "Süddeutschen Zeitung":

"Reinhold Messner ist Vilsmaiers Berater gewesen bei diesem Film, es ist also wenig überraschend, dass "Nanga Parbat" ziemlich exakt die Sichtweise vertritt, die Messner selbst in Büchern und Interviews vertritt.

Vilsmaier hat sich für eine Heldenfigur entschieden, für einen Messner, der sich abmüht, den Bruder zu retten, bis er ihn letztlich aus den Augen verliert - einen, den der Ehrgeiz durchaus lockt, der aber nie vergisst, dass er der Hüter seines Bruders sein soll."


In der "Rheinischen Post" liest man:

"Joseph Vilsmaier hat die Tragödie der Bergsteiger-Brüder im Himalaya verfilmt und sich für eine Sicht entschieden: die von Reinhold Messner.

(…) es hätte ein spannender Film werden können, hätte Vilsmaier danach gefragt, ob Schuld, Trauer oder unfasslicher Sportsgeist Messner antreiben.
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Doch Vilsmaier konzentriert sich lieber nur auf das Drama im Berg und schildert brav den Hergang aus Messner-Sicht. So ist sein "Nanga Parbat" ein biederer Bergfilm geworden, der nicht einmal durch ungewöhnliche Aufnahmen des Himalaya überrascht.

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Nanga Parbat: Der offizielle Trailer
Vilsmaier ist eben kein psychologischer Filmemacher, sondern ein Handwerker, der eine solide Arbeit abliefert. Doch das ist unbefriedigend, wenn eine Geschichte so viele Fragen aufwirft wie die der Messner-Brüder. Und dass Vilsmaier, der in "Schlafes Bruder" die Berge immerhin schon einmal zur surrealen Kulisse gemacht hat, zum Genre Bergsfilm so wenig Aufregendes einfällt, ist erstaunlich.

Dieser Film gibt keine neuen Antworten im Fall Messner. Er stellt vorsichtshalber nicht einmal Fragen."


Auch die "Hamburger Morgenpost" kritisiert deutlich:

"Richtig überzeugen können letztlich nur die glänzend eingefangenen Himalaja-Panoramen, die häufig im Wechsel mit den nur mäßig packend inszenierten, in den Alpen gedrehten Kletter-Szenen zu sehen sind.

Fazit: Ein Film, der das dramatische Potenzial seines Stoffes weitgehend verschenkt."




Deutliche Worte findet Michael Meier in der "Hilpoltsteiner Zeitung":

""Nordwand": Die Eigner-Wand ist gerade mal ein Drittel so hoch. Und doch gelang Philipp Stölzl damit vor anderthalb Jahren ein packender Film, das einen bis zum Schluss mitbibbern, ja trotz des bekannten Endes auf ein Irgendwie-Happy-End hoffen ließ. Ein Drama, das obendrein auf das Comeback des urdeutschesten aller Filmgenres, des Bergfilms, hoffen ließ. "Nanga Parbat" schien dieses Versprechen einlösen zu wollen (…)

Und dennoch bleibt man am Ende des Films ratlos und seltsam unberührt zurück. Wohl auch, weil man allzu sehr glaubt, einer reinen Rechtfertigungskampagne Reinhold Messners beigewohnt zu haben. Ein wenig differenzierter hätte das Ganze schon werden können.
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Nanga Parbat: Making of - Eiserne Bedingungen
Brav strickt Vilsmaier die Messner-Legende weiter, moralische Aspekte oder Sinnfragen interessieren nicht. Das Geschehen scheint schicksalhaft vorgegeben, wie Rückblicke in die Kindheit der Helden behaupten. Schon als kleiner Junge wollte der jüngere Günther dem Reinhold ebenbürtig sein. Diese Szenen im Südtiroler Bergdorf, in dem eine Art Karma-Analogie zum Aufenthalt in der Todeszone hergestellt werden soll, sind absolute Tiefpunkte in einem Film, in dem Vilsmaier nicht nur mit dem Zaunpfahl, sondern mit dem ganzen Gartenzaun winkt.

So erschöpft, wie sich die Protagonisten nach dem Gipfelsieg durchs Eis schleppen, erzählt die Regie von einem Drama, dessen Darstellung in seiner Naivität und Spannungsarmut kaum unterbietbar scheint. "


Kritisiert "Nanga Parbat": Clemens Kratzer.
ALPIN-Redakteur Clemens Kratzer kritisiert den Streifen in ALPIN 02/2010 ausführlich. Hier können Sie Auszüge nachlesen:

"Dass dieser Film die Sichtweise Reinhold Messners über das Drama von 1970 als Grundlage haben würde, war von Anfang an zu erwarten.

Ein Fünfjähriger spürt bereits nach 15 Minuten, wer die Guten, wer die Bösen und wer der Beste ist. Ein 12-jähriger Gymnasiast wird mit dem dargestellten Messner vielleicht Probleme haben, wird ihn eher als klugscheißerischen Klassenbesten empfinden. Wann immer der Film-Reinhold (Florian Stetter) wie ein Messias das Wort ergreift, verblassen alle anderen Figuren derart, dass die manierierte Herausstellung der Hauptfigur peinlich wirkt, nein nervt!
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Der Film wird ein breites Publikum beeindrucken, warum auch nicht. Die Minuspunkte des Streifens sind für alle, die sich mehr mit der Materie befasst haben, die gewollten, subtilen Hinweise auf Charakterschwächen der übrigen Expeditionsmitglieder. Die im Film wie Statisten zweier Stars wirken, von denen einer der Überflieger ist."

Immer, wo der Film die Sorgfaltspflicht einer Dokumentation verlässt, durfte das Drehbuch fiktive Handlungen erfinden. Man ahnt, dass Vilsmaier da dem Südtiroler beinahe ein Regiedebüt möglich machte.


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In der Ankündigung zur "Bergauf-Bergab"-Sendung im Bayerischen Fernsehen heißt es:

"In "Nanga Parba" versucht Erfolgsregisseur Joseph Vilsmaier, sich in einer dramatischen Handlung pseudodokumentarisch möglichst dicht an damals Beteiligte, Namen, Fakten zu halten - und folgt dabei streng der Darstellung seines "Beraters" Reinhold Messner! Und er setzt damit die Wahrhaftigkeit der alpinen Geschichtsschreibung aufs Spiel. Mit bisher in der Öffentlichkeit unbekannten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsergebnissen kann Bergauf-Bergab auf die fragwürdige Einseitigkeit und die Geschichtsklitterung des Films hinweisen."
Zur Diskussion um die Tragödie am Nanga Parbat in der alpin-Community
Der Beitrag zu "Nanga Parbat" mündet in ein Gespräch, das Abtprimas Notker Wolf mit zwei Experten für Sinnfindung und Gerichtspsychiatrie führt und in dem es auch um Messners Bemühen um eine "Schuld-Freisprechung" geht. Dabei verweist der Philosoph und Theologe auf Ikarus, die berühmte Figur der griechischen Mythologie, als Beispiel für menschliche Hybris.



Der Berliner "Tagesspiegel" schreibt unter anderem:

"Biedermann und die Bergsteiger: "Nanga Parbat" ist ein Film über Reinhold und Günther Messner - doch der wuchtige Bergfilm, der er hätte werden können, ist er nicht geworden.

Der Film ist "so hölzern und plump inszeniert und mit so wenig Sinn für Kontraste erzählt, dass aus einem wuchtigen Bergfilm, der "Nanga Parbat" hätte werden müssen, eine dröge Rekonstruktion geworden ist. Vielleicht ging es aber auch genau darum, als Messner sich 2004 mit einem Brief an Vilsmaier wandte, um eine Zusammenarbeit vorzuschlagen."
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Vilsmaier zeigt kein Gespür für die epische Tiefe des Stoffes(...). Der bayrische Regisseur (...) zerfasert die Handlung durch zeitliche Sprünge, und dass viele Szenen in einem Kühlhaus nachgestellt werden, ist der Erfahrung des Ausgesetztseins auch eher abträglich."


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Sabine Dobel schreibt für die deutsche Presseagenzur unter anderem:

"Natürlich erzählt der junge Film-Reinhold (Florian Stetter) dem Film-Publikum die Geschichte so, wie sie der echte Reinhold, der die Dreharbeiten als Berater begleitete, wieder und wieder erzählt hat. Damit rührt der Film (...)den Zwist mit den Ex-Kameraden neu auf. Die Kameraden, im Film kauzig, soldatisch, ängstlich oder erfolgsgierig gezeichnet, zweifeln bis heute Messners Aussage an, er sei mit dem höhenkranken Bruder aus Not zur Vermeidung der Rupalwand auf der unbekannten Diamir-Seite abgestiegen. So beschreibt der Film das Unglück.

Extrem schlecht kommt (...) der Expeditionsleiter weg, stark gespielt als hässlicher, in den 1930er Jahren steckengebliebener Deutscher von Karl Markovics. Während Reinhold knapp dem Tod entronnen von Einheimischen versorgt wird, feiert Herrligkoffer den Gipfelsieg von Felix Kuen (Steffen Schröder) und Peter Scholz (Sebastian Bezzel), die nach den Brüdern aufgestiegen sind. Sie hatten kurz Rufkontakt zu Reinhold, finden dann am Gipfel seine Handschuhe – und freuen sich: "Wir sind die Gipfelsieger." Denn sie glauben: Die Messners sind tot.
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Ex-Kameraden sind empört. "Das ist einfach böse", sagt Gerhard Baur (im Film gespielt von Volker Bruch), der Günther als letzter sah und Scholz und Kuen nach dem Gipfel sprach. Die beiden könnten sich nicht wehren – sie sind tot wie Herrligkoffer, dessen Darstellung mehrere Bergsteiger scharf kritisieren. "Dieser Film zeichnet ein neues Bild der Expedition von 1970, wie es nicht gewesen ist", fasst der Bergfotograf und Teilnehmer Jürgen Winkler zusammen.

Positiv merkt Dobel an:

"Eindrucksvoll zeigt Vilsmaier die Menschen in Pakistan, die scheu-neugierigen Kinder, die Dörfer. Grandios auch die Aufnahmen der Felstürme in den Dolomiten als frühes Kletterrevier der Brüder."



Zur Diskussion um die Tragödie am Nanga Parbat in der alpin-Community


Eine neutrale Darstellung der Ereignisse von 1970 sieht Horst Höfler, der sich im aktuellen Bergsteiger zu "Nanga Parbat" äußert:

"Nanga Parbat" kam vor einigen Tagen in die Kinos. Aber wer auf Schuldzuweisungen wartet, wird dies vergeblich tun. Der Film ergreift nicht Partei, er "erzählt eine Geschichte, und wir wollten partout das nicht, was da einmal gekocht wurde. Vielmehr wollten wir die anderen da rauslassen, weil wir ja auch keine bösartigen Menschen sind. In so einem Film könnte man ja bösartig sein, aber das wäre wieder ungerecht gegenüber den anderen. (…) Der Film ist ohne Böswilligkeiten und ohne irgend jemanden zu verunglimpfen." Aber Vilsmaier sagt auch, dass bei diesem Drama nur ein Mensch wisse, was wirklich geschehen sei und dass er angesichts der Unterstellungen damaliger Expeditionskameraden "wahrscheinlich nicht so zahm wäre wie Messner".



Volker Isfort meint in der Münchner "Abendzeitung":

"Allein für seinen Mut hätte Joseph Vilsmaier einen Oscar verdient. Es gibt nicht viele Menschen, die sich eine so enge Zusammenarbeit mit Reinhold Messner zugetraut hätten, gilt dieser doch als extrem meinungsdominant in Bezug auf sein persönliches Lebenstrauma: den Verlust des jüngeren Bruders … Dass der Film … die kritischen Stimmen der damaligen Expeditionsteilnehmer unterschlägt, ist in dieser Ausgangslage unvermeidlich …

Fantastische Bergaufnahmen in den Dolomiten und in Pakistan bilden die Höhepunkte des Films, ebenso die Dukumentation der Nanga-Parbat-Expedition unter dem arg herrisch geratenen Karl-Maria-Herligkoffer (Karl Markoyics), ein Verfechter des Kollektivs … Warum der Film eigentümlicherweise an Kino-Spannung verliert, wenn das Bergdrama in der Todeszone beginnt, bleibt ein Geheimnis des Schnitts …"


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04.09.2010 18:08:15